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Mitteilungen aus dem 19. Jahrhundert

Als die Franzosen 1804 dazu übergingen, das kircheneigene Land zu versteigern, wie z. B. in Steinfeld und Keldenich, verstanden es die Sötenicher das der Kapellengemeinde Sötenich gehörende Land der Versteigerung zu entziehen.

Über diese Landparzellen waren keine schriftlichen Aufzeichnungen vorhanden, so dass die Franzosen nicht dahinter kamen, dass die Kapellengemeinde Ländereien, wenn auch in kleinerem Umfang, besaß. Der Besitz der Kapellenländereien wurde den Franzosen gegenüber damals verschwiegen.

Zur Wald- und Forstwirtschaft im Kreise Schleiden zu Beginn der Jahrhunderte wurde bereits vermerkt, dass der reiche Bestand an Wald im Kreise durch die Eifelindustrie stark beansprucht wurde. Durch den Raubau der Franzosen von 1794 1814 wurde der Waldbestand nahezu vernichtet, zumal keine Aufforstung erfolgte. Schleiden war 1836 der waldärmste Kreis im Regierungsbezirk Aachen. Die preußische Regierung sorgte für die Aufforstung.

Da aber damals die Fichte vorwiegend zur Aufforstung gelangte, kämpften die Eifeler gegen das „preußische Holz", denn dadurch war ihnen die Möglichkeit genommen, ihre Herden zum Grasen in die Wälder zu treiben, wie das beim Buchenwald der Fall war.

Alle Mittel, selbst Bestechung und Zerstörung der Kulturen, schienen seinerzeit erlaubt. Aber schließlich siegte doch die Einsicht.

Das Urfttal wurde in seinem Waldbestand durch den Raubbau der Franzosen und die hier vertretene schwache Industrie weniger getroffen. Es sei auch vermerkt, dass die Steinfelder Mönche sich um den Waldbestand in den ihnen unterstellten Gebieten sehr verdient machten.

Groß war die Wolfsplage in jener Zeit. Scharfe Verordnungen so z. B. die des Landrats Graf Beissel vom 27.Januar 1838: Aussetzung von Prämien gegen das Raubzeug: Wölfe, Wildkatzen, Iltis, Marder, Adler und Habicht waren nötig.

So gab es als Abschussprämie für eine Wölfin 12 Taler, einen Wolf 8 10 Taler, Nestwolf 4 Taler. 1816-1822 wurden in den Kreisen Malmedy, Schleiden, Montjoie 214 Wölfe erlegt. 1850 im Kreise Schleiden noch 29, 1864-1883 noch 5 Wölfe.

Der letzte wurde 1883 bei Blankenheim zur Strecke gebracht.

Die Verkehrsverhältnisse waren von jeher durch den Gebirgscharakter sehr beeinträchtigt. Die guten Straßen der Römer hatte der Zahn der Zeit und der starke Gebrauch zernagt. Die Dynastien und Landesherren der Eifel hatten weder Geld noch Interesse an einem guten Straßennetz, dessen Bedeutung man damals nicht einsah.

Erst Napoleon machte mit einem durchgreifenden Straßenbauprojekt den Anfang. Er brauchte sie für militärische Zwecke. Allerdings hat er nur eine große Straße in unserem Raum bauen können: Von Aachen über das hohe Venn nach Trier.

Die preußische Regierung baute dann das Straßennetz weiter aus. 1849 wurde die schon bestehende Durchgangsstraße über Sötenich weiter ausgebaut. Viel Zank entstand damals um die Eisenbahn und deren Linienführung. Die Untätigkeit der Behörden und die Rheinische Bahngesellschaft, welche die Eisenbahnprojekte über 20 Jahre verschleppten sind, wie bereits vermerkt, Schuld an dem Untergang der Eifelindustrie, denn sie verlagerte sich infolge der trostlosen Verkehrsverhältnisse zum Rhein.

Über die Sötenicher Industrie ist zu sagen, dass bei Mönchenrath Eisenhämmer standen. Die beiden Hämmer wurden durch die Wasserkraft der Urft betrieben. Das Eisenwerk zu Mönchenrath war von den Steinfelder Äbten gegründet und fiel unter die Säkularisation. Dieses Reitwerk, auch „Mönchrath“ oder auch „Münchrath“ genannt, gab vielen Sötenichern Arbeit und Verdienst. Es wurde 1895 auf Abbruch verkauft und an seiner Stelle entstanden die Sötenicher Kalkwerke.

Fünf Kalköfen standen hier und brachten Verdienst in die Gemeinde. Ein Kalkofen stand am Rinner Weg (an der Kurve), ein weiterer am Gierzenberg, weitere standen auf dem Weg nach Keldenich, auf der rechten Seite der Spick und ein anderer im Steinbruch.

Als die Eisenindustrie zurückging, wanderten viele Eifeler aus, angeregt durch Agenten und Briefe. Im Jahre 1884 warnte die Ausgabe Nr.16 des Schleidener Wochenblattes vor der Auswanderung. Nach Berichten älterer Leute sind damals viele Sötenicher nach Amerika ausgewandert. Manche haben dort einen gewissen Wohlstand erreicht, von vielen anderen hat man nichts mehr gehört.

Über die Kriegszeiten dieser Zeit ist zu vermerken, dass im Jahre 1864 keine Einberufungen erfolgten. Doch mussten 1866 einige des Königs Rock anziehen. 1870 wurden zwölf Männer einberufen und nahmen an den Kämpfen in Frankreich teil. Jedoch ist seinerzeit aus der Gemeinde in Sötenich keiner gefallen.

1870 ging die Eisenbahn nur bis Kall. Die Truppen wurden dort ausgeladen und mussten zu Fuß nach Westen marschieren. Sie kamen auf ihrem Kriegsmarsch auch durch Sötenich.

Die Bagage, die sie mitführten, wurde damals auf Ochsenkarren verladen, die der Truppe folgten. Wenn es denn hin und wieder, besonders im Anfang dieser Wanderung einen Räderbruch gab, rollte alles in den Straßengraben. Manche Lebensmittel blieben dann dort liegen und wurden eine "Kriegsbeute" der Sötenicher.

Es folgte 1870 auch ein Ankauf von Ochsen. Sie waren für die Heeresmetzgerei in Trier bestimmt. Da jedoch keine Eisenbahn nach Trier verkehrte, musste dieses Rindvieh von Treibern bis nach Trier getrieben werden, was natürlich der Mast dieser Tiere nicht zum Vorteil gereichte.

Für die ganze Gemeinde war im Sommer 1871 die Siegesfeier. Eine große Fahne stand dort und es wurde aus diesem Anlass eine Friedenseiche gepflanzt. Der Geländestreifen in der Kropel, auf dem die Siegesfeier damals stattfand, heißt heute noch im Volksmund: „Zu den Eichen“.

Einen unliebsamen Zwischenfall gab es bei dieser feierlichen Zeremonie, als plötzlich der Ruf ertönte: "Vive, l'empereur." Dieser Ruf ging von einem Sötenicher aus, der ein Anhänger Napoleons war. Irgendwelche Folgen entstanden aber dann für den Betreffenden nicht.

Im Jahre 1845 stifteten die Veteranen des Kaisers Napoleon I. in Schleiden ein Seelenamt für die gefallenen französischen Soldaten. Es sollte am 5. Mai, dem Sterbetag des Kaisers gehalten werden. Anschließend sollte dann immer eine Zusammenkunft der Veteranen des Kaisers sein. Der Kaiser Napoleon I. hatte im Schleidener Tal ein großes Ansehen, da dieser, wie bereits geschildert wurde, die Industrie des Tales sehr gefördert hatte. Viele Schleidener waren Soldaten des Kaisers. Auch aus Sötenich waren einige dabei. Ein gewisser Völler aus Sötenich war viele Jahre in spanischer Gefangenschaft. Er bezog später eine Rente, die ihm von Frankreich zugesandt wurde. Sie stammte aus Geldern, die Napoleon I. für seine Soldaten gestiftet hatte.

Über die Frauenarbeit in diesem Zeitraum ist zu berichten (etwa 1850), dass diese vielfach an den Schürflöchern für Eisenerz mitgearbeitet haben. Sie drehten den ganzen Tag die Haspel, um den Abraum und das Erz zutage zu fördern. Für diese den ganzen Tag andauernde Arbeit erhielten sie einen Lohn von lediglich 4 Stübern = 16 Pfennigen. Das gewonnene Erz ging mit dem Lohnfuhrwerk (zweirädrige Karren mit 2 Pferden) bis Leipzig.

Unter den Karren befand sich ein Sack mit Lebensmitteln für den Fuhrmann und Hafer für die Pferde. Die Fuhrwerke waren monatelang unterwegs und brachten dann auf der Rückreise Gebrauchsgüter und Lebensmittel nach Sötenich.

 

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