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Ereignisse im 17. Jahrhundert in Sötenich

Die Kapelle in Sötenich hatte zunächst keine Sakristei. Bei den Aufräumungsarbeiten für den Neubau der Kirche im Sommer 1951 fand der Rektor Stinnesbeck in den Trümmern der alten Sakristei einen Pfostenstein mit der eingemeißelten Zahl 1618. Dieser zurückgelegte Stein wurde jedoch in Unkenntnis von den Maurern beim Bau der Kirche mit vermauert, die von dem Wert des Steindokumentes kein Verständnis hatten. Die Mauern der Sakristei waren meterdick und deuteten auch auf eine Bauweise hin, die der damaligen Zeit entspricht. Funde und andere Beweise weisen somit auf die Errichtung einer Sakristei an der Kapelle im Jahre 1618 hin.

Nach einer alten Überlieferung im Orte fand man bei den Ausschachtungsarbeiten des Jahres 1618 einen Schädel, in den ein langer Nagel eingetrieben war. Es ist unbekannt, um wen es sich hier handelt. Es wird vermutet, dass es sich hierbei entweder um einen Mord oder um die Hinrichtung eines gemeinen Verbrechers handelte.

Der Boden der Sakristei war mit großen Steinplatten bedeckt. Unter diesen Platten fand man, als sie 1910 entfernt wurden, sehr viele Knochen. Diese Funde weisen darauf hin, dass um die Sötenicher Kapelle schon vor 1618 Begräbnisse stattgefunden haben.

Über das Gerichtswesen im 17. Jahrhundert für das Eifelgebiet ist zu bemerken, dass die Eifeldynastien die Gerichtsbarkeit besaßen und für Abwicklung der Rechtsgeschäfte Schultheiße einsetzten. Wegen der Gerichtsbarkeit wird von einem Streit unter den Eifeldynastien berichtet, der aber im Jahre 1618 durch Vergleich beigelegt wurde. Diese Schöffen, welche dem Schultheißen bei der Rechtsprechung zur Seite standen, bestimmte ebenfalls der Landesherr. Für die Rechtsprechung gab es Dingbücher und Verordnungen der Eifeldynastien. Diese geben heute noch Auskunft über Vergehen aller Art und ihre Bestrafung an.

Verboten war:

Das "bei willkührlicher Strafe das rasten und alle übrigen Spiele.“

Geboten war:

"die Hunde bey tage anzufesseln oder mit Knüppelen zu versehen.

ferner:

"die schuldigen gänge und dienste willig und ohne das geringst widerreden zu verrichten bei straff von 8 Goldgulden."

Ein Goldgulden beträgt heute etwa 4,80 DM. Unter den schuldigen Gängen und Diensten sind die Frondienste zu verstehen, zu denen die Untertanen in damaliger Zeit verpflichtet waren.

"Obst und sonstige Gartengewächse zu entwenden, verboten bey straff des Rolhäussgen".

Hierbei handelt es sich um eine körperliche Bestrafung. Ungebührliches Betragen eines Betrunkenen in der Kirche wurde mit 4 Pfund Wachs bestraft.

 „Niemand bey straff von 10 Goldgulden bey Tag und 20 Goldgulden bey Nachtzeiten sich unterfangen Fisch und Krebs zu stehlen."

Dan ist die Straf deren, die HirschGewichter in denen Wäldern find und nicht behörig einlieferent auf zwey Goldgulden gesetzt, und soll denenjenigen so solche einlieferen, ein Kopfstück zum Trinkgeld gegeben werden.

Harte Bestrafung erfolgte für Waldfrevel aller Art, wie Beispiele zeigen:

"das gemeinsame Beste erfordert auf Ausspühr und Ausrottung deren Wölfen so viel nur möglich bedacht zu sein, soll kein Unterthan sich erkühnen bey frischem SpurSchnee des Morgens in Busch zu gehen, Holtz zu hauen, oder sonsten ein Getöß zu machen bey staff drey Goldgulden.“- „Wie dan auch kein wild Land, wo Wacholder wachsen können, geschiffelt, wider die Wacholder abgehauen noch verbrennt werden sollen."

Die Strafe betrug 5 Goldgulden. Hirten, die auf frischer Tat ertappt wurden, mussten die Strafe bezahlen und: „soll er aunehrt am Leib gestraffet werden.“

Aus den Büschen durften die Untertanen Brandholz nur an bestimmten Tagen entnehmen und wer zur Unzeit im Walde angetroffen wurde, hatte eine Strafe von 10 Goldgulden zu bezahlen.

"Taxa, wie die HoltzDiebereyen zu bestraffen: Von einem EichenHeistart so noch kein Fuß dick ist, 2 Reichsthaler. Von 1 Fuß dick 4 Reichsthaler, von 1 3 Fuß 6 Reichsthaler, u. so ferner nach Maß der Füßen. Die straff der Eschen, wilder BirnAepfelKirsch oder Nußbäumen ist wie von Eichen. Von 1 Wagen Brandholz 4 Reichsthaler von 1 Karren Brandholz 2 Reichsthaler, von einer TragLast 1 Reichsthaler.

Erfolgten die Holzdiebereien bei der Nacht, so waren die Strafen doppelt zu zahlen. (Quellen für das Gerichtswesen in der Eifel: Eiflia illustrata, ferner Katzfey, 2. Abteilung von Münstereifel und das Dingbuch von Mechernich vom Jahre 1749)

Die Todesstrafe wurde durch den Strang vollzogen. Zahlreiche Flurnamen in der Eifel weisen darauf hin, dass einmal hier ein Galgen gestanden hat, z. B. Galgenberg. In Sötenich stand ein solcher Galgen auf dem Rittersitz, dem ehemaligen Anwesen von Ferfer.

Nebenbei sei vermerkt, dass dieser Rittersitz 1787 noch steuer und schutzfrei war. Von den Bauern auf der Kaller Seite von Sötenich wurde in einem Schiedsspruch aus dem Jahre 1290 verlangt, - in diesem Schiedsgericht fungierten die Grafen von Jülich und der Wildenburg als Schiedsrichter -, dass sie sich dem „Högerichte“ zu stellen hatten. Diese Gerichte fanden auf dem Reypacherhof statt, der dem Kloster Steinfeld gehörte. Auf diesem Hof wurde jährlich auf St. Andreas von den Schöffen Recht gesprochen. Dieses Gericht unterstand und urteilte im Auftrage des Klosters, welches das „jus gladii“ hatte, also auch Todesurteile verhängen konnte. Bei dem „Högerichte“ mussten sich die Sötenicher Bauern bei Hinrichtungen zur Hilfeleistung zur Verfügung stellen.

Im Gerichtswesen der damaligen Zeit spielten auch die Hexenprozesse eine Rolle. Auch unsere Gegend war nicht frei vom Hexenwahn. So schreibt denn Bertram Beyßel von Gymnich am 11.11.1630 an den Abt des Klosters Steinfeld, der die Gerichtsbarkeit in den ihm unterstellten Gebieten durch das „jus gladii“ ausübte:

Bei meiner jüngsten Hexen-Execution seyen viel Marmager eingelaufen. Ich werde in Kurtzem allhier rein Arbeit machen und das ungeziffer fort ausfegen. Gott sei mit uns." (Quelle: Eiflia illustrata)

Bei Rechtsgeschäften wurde in damaliger Zeit das Siegel verwandt. Die Römer kannten ein Siegel nur als Verschluss, bei den Germanen aber gehörte das Siegel zu einem wesentlichen Merkmal für die innere Glaubwürdigkeit einer Urkunde, zumal die germanischen Herrscher vielfach des Schreibens unkundig waren und so durch ihr Siegel ihre Zustimmung gaben. Am Ende des Mittelalters hatten die Siegel eine große Bedeutung, zumal die Siegelschneidekunst auch eine hohe technische Vollendung erreicht hatte. Das Recht mit rotem Wachs zu siegeln, hatte nur der hohe Adel, die auch meistens ihr Siegel auf dem Knauf ihres Schwertes hatten.

Schwere Zeiten hatte die Kaller Seite von Sötenich, die Luxemburg-Spanien unterstand, in den Jahren 1665 1682 durchzumachen. Luxemburg war in völlige Abhängigkeit von Spanien geraten. Diese hielten im Land Besatzungstruppen, welche die Untertanen drangsalierten. Zu den Einquartierungen traten neben den allgemeinen Reichssteuern auch noch besondere Auflagen und hohe Zölle, so dass das Land völlig verarmte. Die aus der früheren Zeit noch tätigen Beamten wurden eingekerkert und nur gegen Herausgabe eines hohen Lösegeldes und aller der Grafschaft Schleiden betreffenden Urkunden und Dokumente freigegeben. Eingaben an die damalige Reichsversammlung in Regensburg aus dem Jahre 1671 waren ohne Erfolg. Erst der Franzoseneinfall von 1682 machte dem "spanischen Schreckensregiment“ ein Ende.

Allerdings hausten die Franzosen ebenso in diesem Land wie die Spanier und ruinierten es völlig. Die Erinnerung an diese spanische Zeit erhielt sich noch lange im Eifeler Land. (Quelle für diese drangsalvolle Zeit: Müller, Aus den Eifelbergen 1889)

Im 17. Jahrhundert wird des weiteren von Erdbeben und schweren Unwettern in unserer Heimat berichtet:

"So dem anno (1692) sind zwei starke Erdbewegungen geschehen, so sehr erschrecklich sind gewesen; item noch drei, aber nicht so schrecklich gespürt sind, noch eine in festo S. Simonis et Judae ebenmäßig sehr erschrecklich."

"1694 auf S. Josephs Fest ist zwischen ein und zwei eine Erdbewegung gesehen.“- "Dieses Jahr (1693) in Festo Joannis Baptistae durch ein Ungewitter alle Früchte zu Münstereifel sind zerschlagen.“

Gemeint ist das ganze Amt Münstereifel, zu dem auch Keldenich und Sötenich gehörten.

Anno 1690 eine giftige Contagion grassiert. Da welche viele gestorben, also etliche mahl auf einen tag zwei oder drei begraben wurden." "Anno 1691 Dyssenterie im Herbst, woran etliche gestorben; ich selbst habe damit gegangen.

Es handelt sich hier um eine Epidemie der Ruhrkrankheit, die gefährlich ist und auch damals in Sötenich ihre Opfer gefordert hat. Durch Krieg, Ungewitter, Erdbeben und ansteckende Krankheiten wurden der Bevölkerung furchtbare Wunden geschlagen. Dass damit eine Teuerung verbunden war, versteht sich von selbst. Ein Pferd kostete damals 38 Reichstaler - ein Reichstaler = 2,40 DM also ca 46 €.

"1692. In diesem Jahr anfangs Oktober das Korn verkauft ist worden das Malter für 21 Gulden, die Hafer 7 Gulden." (1 Gulden = 0,36 €)

1693: Das Korn an der arenseite theuer geworden und geblieben. Das Malder hat gekostet 23, 24, 25 Gulden.''

Das Malter ist ein altes Getreidemaß und umfasst 187 Liter. Da das Geld in jener Zeit sehr knapp und seine Kaufkraft enorm war, kann man sich eine Vorstellung von der damaligen Teuerung machen, denn etwa der 15-fache Wert muss in Ansatz gebracht werden.

 

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