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Die Zeit der Franken in Sötenich

Als die Ostgoten unter Alarich Italien und Rom eroberten (410), waren die Römer gezwungen, ihre am Rhein stehenden Legionen zum Schutze Italiens abzuziehen. Seit 450 drangen nun die Franken, welche aus den germanischen Völkern der Chatten, Salier und Ripuariern sich im dem rechtsrheinischen Raume gebildet hatten, unaufhaltsam in die römische Provinz Gallien vor. So gelangten sie auch in die Eifel, in der die Römer 500 Jahre geherrscht hatten. Hier gründeten sie eine Menge von Ortschaften. Zu diesen gehören Reifferscheid, der Name stammt von Scheid = Grenze, Reiffer von Ripuarier, dieses Wort von ripu = Ufer.

Die Ripuarier saßen an den Ufern des Rheins, in Schmidtheim, Tondorf, Ahrdorf, Dahlem (Dahlheim). Vielfach übernahmen sie römische Siedlungen und gaben ihnen einen Namen wie Nettersheim, Blankenheim, Tondorf, Ahrdorf. Fränkischen Ursprungs sind also alle Ortsbezeichnungen, die enden auf -bach, -berg, -born, -dorf, -feld, -hausen, -heim und -scheid. Diese Bezeichnungen zeigen die Franken als ein Bauernvolk. In der Eifel verdrängten sie die Eifellandwirtschaft, die nur Spezialformen kannte wie Vieh-, Schaf und Bienenzucht. Die Wolle der Schafe fand guten Absatz bei den römischen Legionen, der Honig der Bienen war Ersatz für den fehlenden Zucker.

Die Franken führten die Ackerwirtschaft ein und bevorzugten die Kalkböden der Eifel von Sötenich, Nettersheim und Schmidtheim. Die Waldgebiete interessierten sie höchstens für gelegentliche Jagden. Die Franken, die eigene Siedlungen gründeten, oder römische übernahmen, behandelten die Urbevölkerung als Halbfreie oder Hörige. In fast allen Dörfern finden sich freie Franken als Rittergutsbesitzer ein, die von den fränkischen Königen das Land als Lehen erhielten und als solche auch große Machtbefugnisse hatten, teilweise sogar die Gerichtsbarkeit. In Sötenich hatte ein freier Franke einen solchen Hof. (Bericht des Herrn Peter Linden, von dem „Lehnhoff“ den ein Junker inne hatte), den später die Familien Cramer und Ferfer bewirtschafteten. Auch auf der Kaller Seite befand sich ein solcher Hof "Königerhoff" oder „Höhlen-Hoff“, mit einem bedeutenden „Benden“. Dieser war ebenfalls mit einem freien Franken besetzt. Dass der "Lehnhoff“ sogar Gerichtsbarkeit besaß, beweist der Galgen, der auf dem Hofgebiet gestanden hat.

Die Siedlung der Franken erfolgte immer an Wasserläufen (in Sötenich die Urft), die fränkischen Gräberfelder wurden auf den Höhen angelegt. Die fränkischen Gräber befanden sich auf dem Gebiet des Friedhofs am so genannten „Hähnchen" in der Nähe des Heidenkerk. Das Landesmuseum in Bonn vermutet hier ebenfalls noch nicht erschlossene Frankengräber. Da der Friedhof an einer Anhöhe in Sötenich liegt, würde dieses der fränkischen Sitte entsprechen.

Als die Franken sich zum Christentum bekehrten, setzten sie ihre Kirchen und Kapellen meist in solche Gräberfelder. Oft waren es nur Holzkirchen, oft setzten sie in vorhandene römische Heiligtümer ein Kreuz. In Schmuck und Waffenbearbeitung waren die Franken relativ selbständig. Nur in ihrem Granatschmuck sind indische Einflüsse unverkennbar. Er wurde durch die Südrussen, die seinerzeit mit Attila nach Europa kamen, eingeführt. Auf ungeklärte Weise fanden diese Südrussen Zugang zu den fränkischen Großen und Königen.

Die fränkischen Könige benutzten die Eifel mit Vorliebe für ihre Jagdzwecke und errichteten auch im Kreise Schleiden eine ganze Reihe solcher Jagdschlösser. In Gemünd befand sich ein Jagdschloss, ferner auch in Tondorf. 898 wurde dieser Hof der Abtei in Prüm geschenkt. Auch in Vlatten war ein solches Jagdschloss, wo sich Kaiser Lothar I. im Jahre 846 lange Zeit aufhielt. In Vellerhof wohnten viele fränkische Große, die diesen alten römischen Kulturort mit Wall und mit Graben befestigten. Für die Kirchengründungen im Eifelgebiet ist nach Ansicht des Landesmuseums in Bonn folgende Zeit maßgebend:

Die römischen Kirchen und Kapellengründungen fallen in das 4. 6. Jahrhundert, die fränkischen Gründungen in das 6. - 7., teilweise auch noch in das 8. Jahrhundert. Für unsere Sötenicher Kapellengeschichte sind diese Jahresabschnitte bedeutsam. Da Sötenich eine römischkeltische Gemeinde war, kann mit einiger Sicherheit die Gründung unserer alten Quirinus-Kapelle in die Zeit des 4. 6. Jahrhunderts verlegt werden, zumal auch die römischen Grundmauern darauf hinweisen. Zum Schutz gegen die Normanneneinfälle, die mit ihren Schiffen geschwaderweise das ganze westliche Europa heimsuchten, auch Trier, Aachen und Köln mit ihrer Mordbrennerei heimsuchten, bauten die Franken im 9. Jahrhundert Burgen. Wie die Funde auf der Stolzenburg verraten, ist es möglich, dass diese auch um diese Zeit entstanden ist.

Auch die Alemannen waren im 5. Jahrhundert in der Eifel und haben auch zahlreiche Siedlungen gehabt. Mit Bestimmtheit müssen alle Ortschaften auf alemannische Gründungen zurückgeführt werden, die Endungen haben mit - ach - brunn - felden hofeningen - schwand - stetten - wangen weiler. Dazu gehören dann die Eifelorte Barweiler, Freilingen, Büllingen, Eschweiler bei Münstereifel und Uedelhofen. Die Franken besiegten aber die Alemannen im Jahre 506 im Raume von Gymnich und drängten sie aus der Eifel zurück.

In Sötenich, das ohne Zweifel auch von den Alemannen einmal heimgesucht wurde, sind jedoch keine Spuren von ihnen hinterlassen worden.

Über die Frankenzeit der Eifel berichtet die Rundschau in ihrer Ausgabe vom 31. Januar 1955:

„Die Franken am Rhein und in der Eifel“, Vortrag beim Heimat und Geschichtsverein Blankenheim.

Geschichte ist Leben. Bietet sie uns doch das ewige Schauspiel vom Werden und Wachsen wie vom Hinschwinden und Vergehen der Völker und Kulturen. Geschehnisse und Wechsel, die sich unmittelbar auf unseres Volkes Entwicklung beziehen, berühren dabei am unmittelbarsten. So blieb es auch nicht aus, dass der vom Heimat und Geschichtsverein des Kreises Schleiden angekündigten Vortrag „Die Franken am Rhein und in der Eifel“ eine überraschend große Zahl Freunde der Heimatgeschichte in das Gymnasium Schleiden zusammengeführt hatte.

Der Vorsitzende des Vereins, Oberstudiendirektor Dr. Hermesdorf, hatte nicht zuviel versprochen, wenn er den Referenten, Dr. Böhner vom Rheinischen Landesmuseum Bonn, als einen vorzüglichen Kenner der Rheinischen Vor und Frühgeschichte begrüßte und einführte. Wir wissen, dass die Gestalt unseres deutschen Volkes auf dem Zusammentreffen von Germanentum, Christentum und Antike beruht.

Die Völkerwanderungszeit mit dem schließlichen Zusammenbruch der Römerzeit am Rhein und der hier folgenden fränkischen Landnahme hat dieses Ergebnis eingeleitet. Der Vortragende wies zunächst darauf hin, dass noch vieles unklar läge, dass bisher die Quellen unseres geschichtlichen Wissens gerade für die Frankenzeit recht spärlich seien. Durch die Ausbeutung der Gräberfelder sei allerdings eine neue Quelle erschlossen worden, die als Bodenaltertümer klare Rückschlüsse auf die Auseinandersetzung der Fränkischen Eroberer mit der Kultur und den Menschen der provinzialen Römerzeit ermöglichen. Sorgfältig zusammengestellte Lichtbildreihen veranschaulichten den Vortrag.

Für den Kreis Schleiden wies Dr. Böhner auf das berühmte Gräberfeld Nettersheim hin, wie auch auf die Gräberfunde von Vlatten, Schmidtheim und Freilingen. Für Nettersheim und Vlatten konnten je zwei Gräberfelder freigelegt werden. Typisch für die fränkische Grablage sei die Anlage oberhalb eines Dorfes oder Großhofes. Erst als mit der Annahme oder Übernahme des Christentums Kirchen entstanden, habe man auch im Orte die Friedhöfe angelegt und somit die Gräber zentralisiert. Den fränkischen Toten wurden ja nach Rang Gefäße, Waffen, Pferdegeschirr und Schmuck beigegeben. Zum Teil konnten prunkvolle Gräberausstattungen ausgemacht werden. Dem freien Germanen wurde die volle Waffenausstattung mitgegeben, wogegen die Knechte lediglich einen Dolch ins Grab gelegt bekamen. Als Knechte und Halbfreie galten die besiegten „ProvinzialRömer“. Die fränkische Landnahme des linken Rheinlandes hat nicht zu einem jähen Bruch mit der jahrhundertealten Römerzeit geführt.

So kam es auch, dass die fränkischen Herrscherschichten schließlich den christlichen Glauben der unterworfenen Provinzial-Römer angenommen haben. Gerade die Übergänge auf religiösem, kirchlichem Gebiet haben wir uns allmählich und von innen her vorzustellen. Hierfür ist auch bezeichnend, dass etwa um das Jahr 700 unter dem kirchlichen Einfluss die Sitte der Gräberbeigabe erlosch.

Die ersten fränkischen Burgen wurden als Wasserburgen gebaut (im Kreise Schleiden: Weyer, Schmidtheim, Nettersheim), als nach der Hereinnahme der Sachsen in das Frankenreich die Spannung zu den Slawen und dann im 9. Jahrhundert zu den Normannen auftraten.

Eindringlich wurde aus dem Vortrag spürbar, wie gerade die Bodenfunde unser heutiges Geschichtsbild über die Frühzeit geformt haben.

 

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