soet_Ortsschild1
eifelfotocom
Startseite
So finden Sie uns...
Vereine...
Sötenich-INFOS
Sötenich-Kalender
Gewerbeverzeichnis
Fotogalerien
Die Sötenich-Chronik
Geschichte Sötenichs
Super-Links
Impressum
thiangestop-3
a_banner_soetenich03s

Die Auswirkungen der Französischen Revolution in den Eifelgebieten

Auf allen Gebieten des Lebens hatte die Französische Revolution in der Eifel ihre Auswirkungen, die auch in das persönliche Leben der Bewohner eingriffen. Von diesen Auswirkungen wurden auch die Bewohner unserer Heimat betroffen.

1. Die politischen Zustände:

  • Durch die damaligen neuen Machtverhältnisse endete die Vielfältigkeit der Eifelherrschaftsgebiete auf die ganze Lehnswirtschaft und die Bevorzugung des Adels kamen in Fortfall.
  • Das bedeutete einen großen Vorteil. Denn im Herzogtum Jülich, zu dem auch Sötenich diesseits der Urft gehörte, gab es allein 44 Unterherrschaften und 287 Adelssitze.
  • Diese Unterherrschaften hatten viele Rechte wie:
  • Das Patronatsrecht (Besetzung geistlicher Stellen), die Gerichtsbarkeit, die Erhebung von Steuern und Wegegeldern, den Judenzoll (jeder Jude bezahlte eine besondere Kopfsteuer), die Polizeigewalt, den Bergzehnten (eine Steuer der Eisen und Hüttenwerke), das Jagdrecht, das Fischereirecht, sowie das Recht Gebote und Verbote zu erlassen.
  • Dass eine Ordnung in einem solchen Herrschaftswirrwarr unmöglich war, bedarf keiner weiteren Erörterung. Der Adel der Eifel hat sich hier deutlich den Beweis seiner Regierungsunfähigkeit selbst ausgestellt, zumal sie auch Bauern und Bürgern große Summen für ihre kostspielige Hofhaltung abverlangte.
  • Im Jahre 1801 wurde das gesamte linksrheinische Gebiet nach französischem Muster von Napoleon in Departements (Regierungsbezirke), Kantone (Landkreise) und Mairie (Bürgermeisterämter) eingeteilt.
  • Sötenich gehörte damals zur Mairie Keldenich, Kanton Gemünd und dem Roer-Departement, das ist der Raum Aachen - Roermond - Düren - Gemünd. Die Urft war damals auch die Trennlinie zwischen 2 Departements. Denn die Kaller Seite von Sötenich gehörte zur Mairie Kall, Kanton Schleiden und dem Departement Ourthe, so genannt nach einem Flüßchen von 166 km Länge, das bei Lüttich in die Maas fließt. 1814 wurde die Eifel dann von den Preußen einverleibt.

2. Wirtschaftliche Zustände:

  • Außer der Eisenindustrie fehlte jede gewerbliche und handwerkliche Tätigkeit. Um die Landwirtschaft war es auch schlecht bestellt, denn die Erträge waren karg. Außerdem musste der 10. Teil aller Produkte und zwar die besten, an die Herrschaft abgeliefert werden. Von den Feldfrüchten und der Viehzucht wurde daher nur soviel erzielt, um die eigene Familie ernähren zu können. Eventuelle Überschüsse konnten wegen der schwierigen Transportverhältnisse nicht verkauft werden.
  • Die Franzosenherrschaft brachte hier einen völligen Umschwung. Die Eisenindustrie erlebte einen ungeahnten Aufschwung und erreichte damals ihre höchste Blüte. Damit blühte auch das Transportgewerbe auf. Dieses hatte wiederum auch befruchtende Folgen auf Handwerk, Handel und Landwirtschaft. Daher stand Napoleon in der Eifel in hohem Ansehen.
  • Am 5. März, am Todestage Napoleons, kamen die zahlreichen Veteranen in Schleiden zusammen, wo sie für den Kaiser ein feierliches Seelenamt gestiftet hatten.
  • Viele junge Leute der Eifel haben unter den Fahnen Napoleons gestanden und sind auf den Schlachtfeldern gestorben. Von den einberufenen jungen Männern aus Sötenich, es sollen sechs gewesen sein, sind seinerzeit nur zwei zurückgekehrt.

3. Soziale Zustände:

  • Die damaligen sozialen Zustände wurden grundlegend geändert, denn jeder war vor dem Gesetz gleich. Die Missachtung des Volkes und die menschenunwürdige Behandlung durch den Adel hörte endgültig auf. Bisher hatte sich der Adel sogar Eingriffe in das Familienleben der Bürger erlaubt, die nach dem göttlichen Gesetzte unerlaubt waren.
  • Es sei an dieser Stelle nur erinnert an die übermäßige Heranziehung zu Frondiensten, die widerrechtlichen Freiheitsberaubungen und das - jus primne noctis das Recht der ersten Nacht. Auch das persönliche Eigentum wurde nicht geschont. Oft waren den Bauern nach den häufigen Jagden des Adels die Saaten zertreten. Entschädigungen gab es dafür nicht. Eine Auflehnung dagegen wurde bestraft und endete meistens mit der Ausweisung oder Freiheitsberaubung.
  • Arm und karg war bisher die Lebensweise des gewöhnlichen Volkes. Bargeld war wegen der schlechten Wirtschaftslage ein fast unbekannter Begriff. Die Pfennige standen daher schon in hohem Ansehen und hatten eine große Kaufkraft. Zu diesen misslichen sozialen Zuständen traten noch zusätzliche schwere Abgaben, die der Adel nach Willkür und Laune festsetzte. Jede eigene Initiative wurde unterdrückt.
  • Das Volk war nahezu rechtlos. Die Hebung der sozialen Lage des Volkes, um die sich der Adel seinerzeit nie gekümmert hatte, ist allein das Verdienst der Französischen Revolution.

 4.   Rechtliche Zustände:

  • Die „Justizpflege“ der Eifeldynastien war unglaublich roh. Bei allen Vernehmungen von Verbrechern war die Folter üblich. Leichte Vergehen, wie Ungehorsam gegen herrschaftliche Dekrete wurden durch Rutenhiebe, Anketten in finsteren Verließen bei Wasser und Brot oder mit stundenlangem Sitzen auf einem scharfkantigen hölzernen Esel bestraft.
  • Die französische Regierung beseitigte nicht nur diese rohe Justiz des Adels, sondern auch den noch immer wieder auftauchenden Hexenwahn. So kam es nicht mehr vor, dass an einem Tage, wie z. B. am 29.9.1627 sieben Frauen und ein Mann auf der Wildenburg als Hexen verbrannt wurden. (Quelle: Fahne Bd. I, 1. Abt., S. 36, Ausgabe 1858).
  • Dass die französischen Revolutionsheere sich manche Übergriffe erlaubten, Kunstschätze verkauften oder nach Frankreich verschleppten, vielfach auch zerstörten, alle diese Tatsachen waren zunächst einer Ordnung der rechtlichen Zustände nicht förderlich. (Quelle: Dr. Wilhelm Scheyerniz, 1. Heft, 1895)
  • Auch die Eifelbevölkerung wurde vielfach von einem wahren Freiheitstaumel ergriffen und ließ sich damals manche Ungerechtigkeiten zuschulden kommen. Erst Napoleon gelang es damals, das Recht in geordnete Bahnen zu führen.

5.   Verkehrstechnische Zustände:

  • Für die Hebung des Verkehrs durch die Pflege der schlechten und zu gewissen Jahreszeiten gar nicht befahrbaren Straßen und Wege taten die Eifeldynastien überhaupt nichts. Daher waren die Transporte schwierig und teuer. Zölle und Passschwierigkeiten bei den einzelnen Herrschaftsgebieten hemmten den Verkehr und verteuerten die Waren.
  • Ein Transport von landwirtschaftlichen Produkten, um der Landwirtschaft notwendiges Bargeld zufließen lassen zu können, lohnte sich in keiner Weise. Erst unter Napoleon wurden die Verkehrsverhältnisse durch das Anlegen von Chausseen und Wegen bedeutend verbessert.

6. Religiöse Zustände:

  • Die Französische Revolution stand der Religion feindlich gegenüber. Die Religion wurde zur Privatsache erklärt. Vielfach wurden die Kirchen entweiht, indem man, wie schon erwähnt, die "Göttin der Vernunft" an die Stelle des Tabernakels setzte und Schamlosigkeiten in der Kirche beging. Manche Kirchen wurden ganz geschlossen und vielerorts die Kircheneinrichtungen zerstört. Das Grundeigentum der Kirchen und Klöster wurde vom Staat eingezogen und spottbillig versteigert. Nur die Geistlichen, die den vom damaligen Papst nicht gebilligten Eid auf die französische Verfassung ablegten, durften priesterliche Funktionen ausüben. Die übrigen Priester wurden verfolgt, ausgewiesen oder eingekerkert.
  • Sogar einen neuen Kalender, den „Französischen Revolutionskalender“ versuchten die Franzosen einzuführen, um möglichst alle Spuren des Religiösen zu verwischen und Sonntage und Festtage durch eine 10TageWoche auszutilgen. Jedoch misslangen diese Versuche.
  • Das der Kapellengemeinde gehörende Land in Sötenich verfiel damals übrigens nicht der Beschlagnahme, weil man es geschickt verstand, den Besitz zu verheimlichen.
  • Das Keldenicher Kirchenland und das gesamte Steinfelder Klostereigentum wurde beschlagnahmt und verkauft.
WetterOnline
Das Wetter bei uns in
Sötenich