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Das Hungerkreuz von Sötenich 1817

An dem damals einsamen Wege von Sötenich nach Keldenich, am so genannten Heuweg, stand aus Sandstein in schlichten Formen handwerksmäßig gemeißelt, das Hungerkreuz von Sötenich. Es trägt die Namen der Stifter:

Johann Jakob Wiengsheim und Anna Gertrud Krapp.

Im Jahre 1816 war ein derart nasser Sommer, dass die Frucht auf den Feldern verfaulte und die Ernte fast gänzlich verdarb. Die Folge war große Not und Teuerung. Ein Brot kostete damals einen Reichsthaler. Eisenbahnen kannte man nicht, das Herbeischaffen von Getreide aus anderen Gegenden war schwierig und zeitraubend, denn es musste alles noch per Achse (durch Fuhrwerke) befördert werden. Frachtfuhrwerke vermittelten den Verkehr von der Eifel bis weit ins Land. Man fuhr bis Frankfurt, Leipzig, Breslau, sogar bis Krakau. Es waren hauptsächlich Fuhren mit Eifeler so genanntem „Malmedyer Leder“ und Eisen aus dem Schleidener Tal. Auch nahmen die Fuhrleute gelegentlich Geldsendungen von Bekannten an deren in der Fremde weilende Angehörige mit und umgekehrt.

So erzählte der Sohn der Stifter des Kreuzes, der um 1836 in Köln-Deutz bei den Dragonern diente, dass er und sein aus seinem Nachbardorf gebürtiger Waffenbruder sich gegenseitig mit Geld aushalfen, indem es hieß: "Wenn die Lederkarre kommt, erhältst du das Geld zurück.“

Infolge des Herumtreibens von allerhand zweifelhaftem Volk waren die Landstraßen unsicher, die Fuhren liefen öfters Gefahr, beraubt zu werden. Darum wurden als Fuhrleuten meistens kräftige Personen ausgesucht und es fuhren immer mehrere Fahrzeuge zusammen, damit man sich, wenn Gefahr im Verzuge war, gegenseitig Hilfe leisten konnte. Als Waffe diente den Fuhrleuten ein an der Mannseite der Fuhre angebrachtes hackenähnliches Gerät, das Hauiel, am Auge in dem der fast armdicken Stiel stak ein etwa 5 cm dickes und etwa 15 cm Länge Holz, spitz zulaufend wie der spitze Teil eines Maurerhammers.

Hauptsächlich brauchte man das Hauiel, wenn die Fuhre festgefahren war, was infolge der damals noch sehr mangelhaften Wege nicht selten vorkam.

Von den Fuhrleuten besonders gefürchtet war der Wald vor Köln am Vorgebirge, die so genannte Ville, wo sich jetzt die Braunkohlenwerke befinden und den die Fuhrleute passieren mussten. Vor dem Wald lag an der Straße nach Brühl bzw. Köln eine Fuhrmannsherberge. Hier wartete man, bis eine Anzahl Fuhren zusammen war und dann ging es karawanenweise, der größeren Sicherheit halber, durch die Ville auf Köln zu, wo ab und wieder aufgeladen wurde.

Man schrieb das Hungerjahr 1816/17. Die Stifter des Kreuzes betrieben in Sötenich Land- und Gastwirtschaft, nebenbei auch eine Bäckerei. Die Bewohner des Dorfes, meist kleine Ackerbürger, buken sich ansonsten ihr Brot selber, soweit der Vorrat an Getreide reichte. Infolge der Missernte gerieten jedoch viele in Not.

In dieser Not halfen die Stifter des Steinkreuzes, die dank ihres größeren Besitzes und ihres Wohlstandes größeren Vorrat an selbst angebautem und auch an auswärts bezogenem Getreide hatten, durch Hergabe von diesem ihren Dorfgenossen in der Not bereitwillig aus.

Unter letzteren befand sich ein armes Ehepaar mit sieben Kindern. Der Mann war von Beruf Steinhauer, infolge der schlechten Zeit arbeitslos und hatte weder Ar noch Halm. In seiner Not begab er sich zu den uns schon bekannten Kreuzstiftern und bat um Hilfe, die ihm gewährt wurde.

Er erhielt Brot für seine hungernde Familie. Geld zum Bezahlen hatte er nicht. Auf den Vorschlag der Bäckersleute, für sie ein zum Andenken an das Hungerjahr zu stiftendes Kreuz als Entgelt für das erhaltene Brot anzufertigen, ging der Steinhauer frohen und dankbaren Herzens ein. So entstand das Hungerkreuz von Sötenich. Es erhielt seinen Platz mitten im Dorf.

Beim später stattfindenden Straßenbau, dem es hinderlich war, versetzte man es an den Heuweg. Heute ist der Standort des Kreuzes am Aufgang zur Sötenicher Kirche St. Matthias.

Die Eheleute Wiengsheim, die Stifter des Hungerkreuzes, wohnten seinerzeit in dem Hause Peffer, in der damaligen Dorfstraße. Das Hungerkreuz steht auch heute im Dorfe noch in Ehren. Es ist das Wetterkreuz wie bisher. Zu früheren Zeiten zog die Markusprozession und an den Bittagen ging noch eine Prozession zum Hungerkreuz am Heuweg, um für eine gute Witterung zu bitten.

 

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